Menschen und KI

Menschen und KI
Photo by Victoria Berman / Unsplash

Es gibt zwei Dinge, die mir gerade im Kopf bezüglich KI herumgehen.

Erstens: Unser Nervensystem ist nicht frei, es hat eine Form und biologische Grundlage, es ist Teil eines organischen Körpers und dieser Körper ist Motiv seiner Existenz. Wenn man sein Nervensystem in einen Computer überführen könnte, würde dieser sofort dem Wahnsinn verfallen. Wenn man bloß Text und Sprache überführt, ist er leicht simulierbar.

Zweitens: Gehen wir mal davon aus, dass unser Ich nicht als solches existiert und nur eine gedankliche Entität ist. Es ist eine Einbildung, so wie Repräsentationen von Menschen im Gehirn Einbildungen sind. Ohne eine Vorstellung von Ich und Mensch würde unser Nervensystem anders in unserem Körper existieren und wir würden es merken. Eine Querschnittslähmung ist etwas vollkommen anders als ein Koma. Schlaf ist etwas anderes als eine Psychose. Unser Nervensystem ist darauf ausgerichtet, Kontakt zu anderen Nervensystemen aufzunehmen und dabei geht es nicht um Inhalte und über Medien vermittelte, sinnlich wahrnehmbare Dinge.

Wenn ich mich rausnehme und nur mein Ego und Urteil betrachte, handle ich wider mich selbst. Ein Ich kann sich mit einer KI als Gegenüber zufrieden geben, dem Menschen als Ganzes reicht das nicht.

Menschen erwarten einen anderen Menschen, sie wollen einen anderen Menschen und sie wollen sich mit anderen Menschen verbinden und austauschen. Gerade weil wir Kommunikation so gut simulieren können, merken wir, worauf es eigentlich ankommt.

Bereits Dating-Apps und Social Media haben Menschen die Augen geöffnet und gezeigt, was wir wirklich wollen. KI wird diese Unterschiede verfeinern und verdeutlichen.

Menschen wollen Kontakt zu Menschen. Und wenn ich dem folge und mein Ich und meine persönlichen Interessen und Möglichkeiten nicht allzu raumumfassend sind und Platz für andere und deren Gestaltungsräume lasse, dann funktioniert die Kommunikation auch und beide Seiten haben etwas davon.

In Bezug auf die äußerliche Bewertung von KI-generierten Inhalten halte ich eine generelle Qualitätsunterscheidung, die KI-generierte Inhalte abwertet, für Selbstbetrug oder netter gesagt Selbstschutz.

Die Erwartung, wen man dahinter vermutet und welcher Entstehungsprozess dahinter steckt, ist ein Aspekt, der die Medienrezeption und Kunst immer schon beschäftigt hat. Das war, ist und bleibt das eigentliche Thema. Und jetzt zu behaupten, man wäre grundsätzlich froh, wenn hinter etwas ein Mensch steht, der es im Prozess entwickelt hat, würde mit einem Mal alle Diskussionen um Ästhetik und Werke sinnlos machen. Wir finden nicht alles toll, nur weil ein Mensch es gemacht hat.

Es bleibt das ganz persönliche Tun und Machen und künstlerische Schaffen, das ein Gegenüber braucht, das auch menschliche Maßstäbe ansetzt, nicht nur künstlerische. Daran werden wir unsere Mitmenschen mehr und mehr messen.

Von welchem „Wir“ spreche ich hier eigentlich? Ich bin mir nicht sicher, ich denke „Künstler“. Vielleicht wird die Definition des „Wir“ in unseren Texten und was wir mit „Menschen“ meinen, immer wichtiger. Die KI wird genau das immer wichtiger machen.

Die Frage ist nicht, ob eine KI etwas so gut wie ein Mensch erzeugen kann, sondern ob sie das überhaupt will und was es dem Betrachter bedeutet. Das Fehlen des Impulses und Motivs und die fehlende Resonanz machen die Interaktion mit der KI speziell und reduziert.

Ein Mensch steckt nicht im Bild, im Bild ist auch kein Gefühl, aber Betrachter möchten und erwarten es.

Und als Künstler sage ich: Was ich anstrebe, ist das Anerkennen, dass mein Nervensystem mit anderen Nervensystemen sich austauschen möchte. Und wem das zu abstrakt klingt, formuliere ich ganz konkret mein Idealbild, nämlich das gemeinsame Singen, Musizieren und Tanzen um ein Lagerfeuer herum.